Die eingefrorene Schulter (Frozen shoulder / Kapsulitis)

Man nennt das Krankheitsbild der eingefrorenen Schulter fachsprachlich ‚adhäsive Kapsulitis‘oder auch ‚frozen shoulder‘. Allgemeinsprachlich wird der Begriff Schultersteife verwendet. Hervorgerufen wird die Schultersteife durch eine Entzündung der Gelenkinnenhaut (Gelenkkapsel), die den Gelenkkopf lose umgibt. Durch die Entzündung kommt es zu einer allmählichen Verklebung von Kapselhaut und Gelenkkopf. In der Folge kommt es zu einem beträchtlichen Bewegungsverlust des Schultergelenks und starken Schmerzen. Das Gelenk kann plötzlich und unerwartet in der Bewegung einfrieren. Keiner weiß, warum dies so plötzlich auftritt. Eine Kapsulitis kann nach einem Unfall, einem Bruch oder einer Operation beginnen.

Frozen Shoulder München

Für das Auftreten einer Schultersteife wird generell noch nach Ursachen geforscht. Es wird vermutet, dass eine autoimmune Reaktion verantwortlich sein könnte. Dabei greift das Immunsystem, das normalerweise die Abwehr von Infektionen übernimmt, das körpereigene Gewebe an. Das angegriffene Gewebe reagiert mit einer heftigen Entzündungsreaktion. Zuweilen lässt sie sich auf eine mangelnde Bewegung des Gelenks zurückführen, wenn beispielsweise der Arm nach einer Fraktur über einen langen Zeitraum in einer Schlinge ruhiggestellt wurde. Die Kapsulitis kann nach jedweder Operation auftreten, also auch solchen, die nicht die Schulter betreffen. Es sind sogar Fälle bekannt, in denen die Schultersteife in der Erholungsphase nach einem Herzinfarkt aufgetreten ist.

Die adhäsive Kapsulitis steht oftmals in einem Zusammenhang mit anderen Erkrankungen der Schulter. Ein Sehnenriss, eine Schleimbeutelentzündung oder das Impingement-Syndrom (Engpasssyndrom) sind hier vorrangig zu nennen. Es besteht die Annahme, dass die ursprüngliche Erkrankung zu der chronischen Erkrankung führen kann. Bevor es zu einer Behandlung dieser ursprünglichen Erkrankung kommt, muss die Kapsulitis behandelt werden. Ansonsten führt der Schmerz dazu, dass der Patient seine Schulter weniger bewegt und sich die Steife der Schulter verstärkt.

Die Kapsulitis manifestiert sich in einer beträchtlichen Bewegungseinschränkung der Schulter, verbunden mit einer starken Schmerzbildung. Die Schmerzen zeigen sich sowohl bei aktiver Bewegung des Gelenks als auch bei passiven Bewegungen. Das Schultergelenk schmerzt typischerweise am Bewegungsanschlag durch den Dehnungsreiz, der auf die entzündlich veränderte Gelenkkapsel trifft. Die Diagnose wird anhand der Anamnese (Krankengeschichte) und der klinischen Untersuchung gestellt. Dabei werden bildgebende Verfahren zur Bestätigung herangezogen. Durch Röntgenaufnahmen können andere schwerwiegende Erkrankungen ausgeschlossen werden. In manchen Fällen wird eine Arthografie durchgeführt. Dabei wird Kontrastmittel in das Schultergelenk injiziert. Aufgrund der Schrumpfung der Gelenkkapsel lässt sich nur sehr wenig Flüssigkeit in die Gelenkkapsel einbringen. Daher ist auf dem anschließenden Röntgenbild nur eine geringe Menge des Kontrastmittels im Gelenk sichtbar. Zusätzlich kann eine Kernspintomografie Aufschluss über zugrundeliegende Erkrankungen wie ein Sehnenriss oder ein Impingement-Syndrom geben.

Die konservative Therapie umfasst in erster Linie Maßnahmen zur Linderung der Entzündung und zur Steigerung der Schulterbeweglichkeit. Die Therapie kann unter Umständen über einen längeren Zeitraum andauern. Schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente helfen gegen die akuten Symptome. Auch eine Injektionstherapie mit Kortison oder einem langanhaltendem Lokalanästhetikum kann für Linderung sorgen. Daneben kommen Krankengymnastik und physikalische Therapien zum Einsatz. Dabei werden verschiedene Techniken angewendet, um den Heilungsprozess zu beschleunigen. Spezielle Dehnungsübungen und Übungen zum Muskelaufbau sowie die Gelenkmobilisation durch manuelle Techniken tragen dazu bei, die Schulterbeweglichkeit zu erhöhen.

Mobilisation unter Narkose

Greifen die konservativen Maßnahmen nur unzureichend, kann die Mobilisation des Schultergelenks in Narkose in Erwägung gezogen werden. Dabei wird das Schultergelenk mit Krafteinwirkung in der entsprechenden Technik bewegt, während der Patient narkotisiert ist. Die Dehnung der Gelenkkapsel führt zu einer Lösung der narbigen Verklebungen. In der Regel wird durch diese Therapie der Heilungsprozess im Zusammenspiel mit den Maßnahmen der konservativen Therapie verkürzt.

Arthroskopisches Release

Führen auch die unter Narkose durchgeführten Maßnahmen nicht zum Erfolg, wird eine Arthroskopie (Gelenkspiegelung) in Erwägung gezogen. Dabei wird die Verklebung der Gelenkkapsel minimal-invasiv gelöst. Über winzige Schnitte erfolgt der Zugang zur Gelenkkapsel. Mithilfe einer Kamera und Spezialinstrumenten wird die Korrektur durchgeführt. Die Operation schließt mit einer vorsichtigen Mobilisierung des Gelenks, um zusätzliche Beweglichkeit zu erlangen. Die anschließende Injektion eines Kortisonpräparats wirkt sich positiv auf postoperative Reizungen aus.

Der Krankengymnastik kommt sowohl während der konservativen Therapie als auch in der Rehabilitationsphase nach einem operativen Eingriff eine große Bedeutung zu. An erster Stelle steht die Wiedererlangung der Beschwerdefreiheit. Zu Beginn der Krankengymnastischen Stunde kann durch Wärme oder Ultraschall die Muskulatur und das Gewebe auf die Dehnungsübungen optimal eingestimmt werden. Die Übungen sind dabei auf die Lockerung der Gelenkkapsel ausgerichtet. Besonders gut lässt sich die Injektionstherapie mit der Krankengymnastik vereinbaren. Man sollte die Übungen direkt im Anschluss an die Injektion beginnen, denn die eingebrachte Flüssigkeit sorgt für größeres Volumen im Gelenk. So können die Übungen zur Mobilisation wirksamer gestaltet werden.

Die Rehabilitation nach einem operativen Eingriff umfasst intensive, täglich auszuführende Mobilisationsübungen. Mit dem Kraftaufbau kann vier bis sechs Wochen nach der Operation begonnen werden. Zusätzlich kann die Nutzung einer CPM- oder Bewegungsmaschine sinnvoll sein. Dabei wird der Arm passiv durchbewegt. Die maschinell gesteuerte Bewegung wirkt der wiederkehrenden Einsteifung, die durch Bildung von neuem Narbengewebe entstehen kann, entgegen. Nach etwa 6 Wochen liegt der Fokus der krankengymnastischen Übungen auf dem Muskelaufbau. Durch die Kräftigung der Muskulatur wird der Oberarmkopf in der Gelenkpfanne zentriert. Die Sehnen der Rotatorenmanschette können wieder reibungslos gleiten. Nach Abschluss der ambulanten Physiotherapie sollte der Patient das Dehnungsprogramm zuhause selbstständig fortführen, damit es nicht zu Rückschlägen kommt.