Kalkschulter

Der Begriff ‚Kalkschulter‘ hat sich umgangssprachlich durchgesetzt, medizinisch handelt es sich um eine Sehnenverkalkung, die fachsprachlich ‚Tendinosis calcarea‘ genannt wird. Genau genommen handelt es sich bei einer Kalkschulter nicht um die Verkalkung der Schulter, sondern um das Verkalken der Sehnen. Es kommt zu Anlagerungen von Kalziumkristallinen. Im Laufe der Zeit werden diese zu Kalkdepots, die Störungen am Bewegungsablauf der Schulter hervorrufen. Besonders häufig ist die Supraspinatussehne von der Verkalkung betroffen. Die Supraspinatussehne verbindet im Schultergelenk den Oberarmkopf mit der Rotatorenmanschette. Die Verkalkung der Schulter führt nicht zu einem allgemein gültigen Beschwerdebild. Vielmehr können die Beschwerden von Patient zu Patient stark variieren.

Kalkschulter München

Selten tritt die Kalkschulter bei Menschen auf, die jünger als 30 Jahre sind. Die genauen Ursachen für die Erkrankung sind nicht geklärt. Die Erkrankung durchläuft verschiedene Phasen, wobei jede Phase unterschiedlich lang andauert. Im Anfangsstadium der Erkrankung bilden sich Faserknorpel im Gewebe, das die Sehnen umgibt. In den Faserknorpeln lagern sich Kalziumsalze an. Die so entstehenden Kalkdepots können derart anwachsen, dass sie den im Schultergelenk verfügbaren Raum verengen und es an der Stelle zu einem Engpass kommt.

Als mögliche Ursache für die Entstehung einer Kalkschulter kommen folgende Faktoren in Betracht:

– unfallbedingte Verletzungen der Schulter, bei denen es zu feinsten Schädigungen der Sehne kommt

– Überbelastung durch berufliche Tätigkeiten oder sportliche Aktivitäten

– Gestörte Durchblutung des Schultersehnengewebes

– allgemeine Verschleißprozesse

– natürlicher, altersbedingter Degenerationsprozess der Sehnen

In der Regel verspürt der Patient im Anfangsstadium der Erkrankung keine Schmerzen. Die Einlagerungen der Kalkdepots führt zu unterschiedlich starken Schmerzen.

Beschwerden treten beispielsweise auf, bei

– übermäßiger Beanspruchung der Schulter

– einer seitlichen Liegeposition auf der Schulter

– seitlich überkopf geführten Armbewegungen

Die Schmerzbildung kann plötzlich und unerwartet auftreten. Dabei ist eine Ausstrahlung vom Schulterbereich in den Oberarm bis in den Unterarm möglich. Zuweilen ist die Bewegungsfähigkeit des Arms stark eingeschränkt. Äußerlich können mitunter Rötungen und Schwellungen wahrgenommen werden. In den allermeisten Fällen verursacht die vom Körper angeregte Entfernung (Sprengung) der Kalkdepots die größten Schmerzen.

In der Regel wird der Patient erst beim Arzt vorstellig, wenn sich die Beschwerden in Form von Schmerzen und/oder einer eingeschränkten Beweglichkeit der Schulter zeigen. Starke Einschränkungen in der Beweglichkeit des Armes oder ein Gefühl der Lähmung weisen auf eine Engpassstellung hin, die durch die Kalkschulter verursacht wird. Neben der Tastuntersuchung und der Untersuchung der Beweglichkeit kommen bildgebende Mittel zum Einsatz, um andere Erkrankungen mit ähnlichen Beschwerden wie beispielsweise einen Sehnenriss oder Arthrose auszuschließen und eine differenzierte Diagnose zu stellen. Kalkdepots sind in Röntgenbildern und Ultraschallaufnahmen deutlich zu erkennen. Auf den Aufnahmen der Magnetresonanztomografie (MRT) sind die Kalkdepots kaum zu identifizieren, daher eignet sich dieses Verfahren weniger zur Absicherung der Kalkschulter Diagnose.

Zunächst kommen verschiedene konservative Maßnahmen zum Einsatz, um die von der Kalkschulter verursachten Beschwerden zu lindern. Diese können einzeln oder in Kombination zur Anwendung kommen. Schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente lindern die akuten Schmerzen. Eine Injektionstherapie mit Kortison wird oftmals bei besonders starken Schmerzen durchgeführt. Das Schonen der Schulter, auch in Verbindung mit der Ruhigstellung in einer Orthese wirkt den Schmerzen entgegen. Kälte-, Elektro-, Stoßwellen- und Ultraschalltherapie kann Beschwerden lindern und den Abbau der Kalkdepots forcieren. Grundsätzlich sollte nach der akuten Phase der Erkrankung mit physiotherapeutischen Übungen begonnen werden, um die Beweglichkeit der Schulter zu erhalten und durch einen gezielten Kraftaufbau das Schultergelenk zu stärken.

Meist erfolgt der Eingriff in einem minimal-invasiven arthroskopischen Verfahren. Dabei wird über zwei oder drei, etwa 3mm große Schnitte der Zugang zum Operationsfeld gelegt. Zunächst wird eine Kamera eingeführt, die Bilder von Innern des Gelenks überträgt. Die Korrektur lässt sich mithilfe von Spezialinstrumenten durchführen. Stellt sich bei der Sichtung der Operationsstelle heraus, dass die Verkalkung eine eher cremige Konsistenz hat, schlitzt der Operateur die Sehne in ihrem Verlauf vorsichtig an. Das Kalkdepot kann nun ausgedrückt und abgesaugt werden. Die Sehne heilt im Anschluss ohne weitere Maßnahmen ab. Verkalkungen mit einer kristallinen Konsistenz werden vom Operateur ‚geneedelt‘. Dabei wird das Kalkdepot mit einer sehr feinen Nadel wiederholt angeritzt. Das ‚Needeln‘ setzt die körpereigenen Reparaturprozesse in Gang. Es kommt zu einer verstärkten Durchblutung des Gewebes in dem Bereich. Der Körper baut dann in wenigen Wochen die Kalkdepots ab. Liegt zusätzlich ein Impingement-Syndrom vor, kann während der Arthroskopie die Engstellung durch eine Korrektur der knöchernen Strukturen behoben werden. Damit wird der Gleitraum der Sehnen erweitert und einem möglichen Sehnenriss (Rotatorenmanschettenruptur) vorgebeugt.

Nach dem arthroskopischen Eingriff sollte die Schulter zunächst geschont und nur sanft bewegt werden. Das Tragen einer Bandage zur Ruhigstellung ist nicht erforderlich. Medikamente zur Abschwellung und Hemmung der Entzündung unterstützen den Heilungsprozess. Bereits unmittelbar nach dem Eingriff sollte mit krankengymnastischen Übungen begonnen werden, die im Zeitraum von 2-3 Wochen abhängig zum Heilungsprozess gesteigert werden. Akute Operationsschmerzen können mit Kälte behandelt werden. Die längerfristige Gabe von schmerzlindernden Medikamenten ist zumeist nicht notwendig. Die meisten Patienten können 2-3 Tage nach der Operation leichte Alltagstätigkeiten ausführen, dazu zählt beispielsweise das Autofahren.