Schulterluxation (Schulter ausgekugelt)

Das empfindliche Schultergelenk kann durch ein massives Verreißen in der Bewegung oder einen Sturz ausgekugelt (luxiert) werden. Dabei springt der Oberarmkopf aus der Gelenkpfanne und es kommt zu Verletzungen an den wichtigen Gelenkstabilisatoren. Häufig entsteht daraus eine chronische Instabilität des Schultergelenks. Die Schulter ist das beweglichste Gelenk des Menschen. Die hohe Beweglichkeit macht es zugleich anfällig für das Risiko der Luxation, allgemein verständlich als ‚auskugeln‘ bezeichnet. Die Behandlung erfolgt konservativ oder operativ.

Schulterluxation München

Durch eine massive Gewalteinwirkung springt der Oberarmkopf aus seiner Gelenkpfanne. Dadurch kommt es häufig zu Rissen an der Gelenkkapsel und den stabilisierenden Sehnen. Zusätzlich können Schädigungen an Knorpel, Knochen und Nerven auftreten. Besonders häufig ist die Gelenklippe (Labrum glenoidale) betroffen. Sie hat eine große Bedeutung für die Stabilität des Schultergelenks. Sie verläuft rund um die relativ kleine Gelenkpfanne, vergrößert diese und bildet eine wichtige Kontaktfläche für den Oberarmkopf, der sich praktisch an der Gelenklippe festsaugen kann.

Starke Schmerzen und eine Einschränkung der Schulterbeweglichkeit nach einem Sturz oder einem massiven Verreißen der Schulter deuten auf einen Knochenbruch oder eine ausgekugelte Schulter hin. Die eindeutige Diagnose lässt sich durch die klinische Untersuchung unter Zuhilfenahme einer Röntgenuntersuchung stellen. Im Anschluss an die Diagnose erfolgt die Einrenkung des Schultergelenks. Dazu stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. Um den Eingriff möglichst sanft vollziehen zu können, wird er in manchen Fällen in einer kurzen Narkose durchgeführt. Die Magnetresonanztomografie (MRT) gibt Aufschluss über die Schädigungen am Bewegungsapparat (Bänder, Muskeln, Sehnen, Weichteile). Nicht immer ist eine Schulterluxation auf eine massive Gewalteinwirkung zurückzuführen. Manche Patienten haben eine anlagebedingte Schulterinstabilität. Schwaches Bindegewebe und angegriffene Bänder können bereits bei alltäglichen Bewegungen oder minimaler Anstrengung des Schulterapparates eine Luxation verursachen. Diese sogenannte ‚habituelle Schulterluxation‘ muss klar von einer unfallbedingten ‚traumatischen‘ Form der Schulterluxation abgegrenzt werden. Die beiden Formen müssen auf unterschiedliche Art und Weise behandelt werden.

Bei jüngeren Patienten wird oftmals die operative Therapie vorgezogen, wenn bei der unfallbedingten Luxation der Schulter wichtige Stabilisatoren verletzt wurden. Die Operation wird minimal-invasiv besonders risikoarm und patientenschonend durchgeführt. Ohne Operation führt die Luxation bei jüngeren Patienten in mehr als 85% der Fälle zu einer chronischen Instabilität. Bereits alltägliche Bewegungen können zu einem erneuten Auskugeln des Schultergelenks führen. Bei älteren Patienten besteht ein deutlich geringeres Risiko für das Auftreten einer chronischen Instabilität der Schulter nach einer unfallbedingten Luxation. Daher wird bei dieser Patientengruppe nur zu einer Operation geraten, wenn es zu Rissen am Muskelapparat gekommen ist. Für Patienten mit habitueller Schulterluxation bietet sich die konservative Therapie an. Das Auskugeln des Schultergelenks ist hier auf eine anlagebedingte Kapsel-Bandschwäche zurückzuführen, die oftmals in Kombination mit einer schwachen Schultermuskulatur auftritt. Die konservative Therapie umfasst nach dem Einrenken der Schulter zunächst eine Ruhigstellung mit einer Bandage für einen Zeitraum von drei Wochen. So können die überdehnten Strukturen abheilen. Im Anschluss beginnen physiotherapeutische Maßnahmen zur Kräftigung der Muskulatur und Koordinationsschulung. Erst wenn konservative Maßnahmen nicht oder nicht ausreichend greifen, wird eine operative Therapie in Erwägung gezogen.

Die operative Therapie der Schulterluxation wird in der Regel in einem minimal-invasiven, d.h. arthroskopischen Verfahren durchgeführt. Dabei erfolgt die Korrektur der geschädigten Strukturen über drei Zugänge, die jeweils über einen nur wenige Millimeter großen Schnitt gelegt werden. Zunächst wird eine winzige Kamera eingeführt, die eine exakte Untersuchung ermöglicht. Erst dann werden Verletzungen mit feinsten Spezialinstrumenten gefixt.

Die Operation umfasst die Wiederherstellung der Gelenklippe (Labrum glenoidale). Spezielle Implantate aus bioresorbierbaren Materialien oder Titan helfen, die abgerissene Gelenklippe zu rekonstruieren und an der Gelenkpfanne zu befestigen. Zudem wird der geschädigte Bandapparat korrigiert. Bei schwerwiegenden Luxationen oder nach wiederholten Auskugelungen treten häufig Schäden an der Gelenkpfanne (Bankart Läsion) und dem Oberarmkopf (Hill-Sachsdelle) auf. Schädigungen an den knöchernen Strukturen können ab einer gewissen Größe nicht dauerhaft durch die Rekonstruktion der verletzten Weichteile kompensiert werden. Je nach Umfang der Knochenschädigungen ist eine Stabilisierung der Knochen erforderlich.

Das Operationsverfahren nach Latarjet sieht einen Aufbau der knöchernen Strukturen mit dem Rabenschnabelfortsatz (Coracoid) vor. Dieses Verfahren ist allerdings nicht arthroskopisch, sondern wird seit 1954 in einer offenen chirurgischen Operation durchgeführt. Das Verfahren erzielt gute Langzeitergebnisse hinsichtlich einer Verhinderung einer erneuten Schulterluxation und des Auftretens einer Arthrose. Seit 2010 sind die für das rein arthroskopisch durchgeführten Verfahren nach L. Lafosse benötigten Spezialinstrumente am Markt verfügbar. Sie wurden von der Firma DePuy/Mitek entwickelt und unterstützen den Operateur bei seiner technisch anspruchsvollen Aufgabe.

Nach der minimal-invasiv durchgeführten Korrektur der Schädigungen wird die Schulter zunächst für einen Zeitraum von drei Wochen mit einer Bandage ruhiggestellt. Zeitgleich finden unter Anleitung erste Mobilitätsübungen statt. Erst sechs Wochen nach der Operation beginnt das eigentliche Aufbautraining. Physiotherapeutische Übungen dienen der Kräftigung der Schultermuskulatur und Koordinationsschulung. Risikoarme Sportarten können in Absprache begleitend wieder aufgenommen werden. Sportarten mit Sturzgefahr und Kontaktsportarten können nach etwa 6 Monaten ausgeübt werden.