Schulterschmerzen

Das Schultergelenk ist zwar nicht das größte Gelenk des menschlichen Körpers, aber das beweglichste. Die enorme Beweglichkeit lässt sich auf die Bauweise zurückführen: der kugelartige Gelenkkopf ist in eine flache Gelenkpfanne eingepasst. Das Schultergelenk wird aus drei knöchernen Strukturen gebildet: Schulterblatt (Skapula), Schlüsselbein (Klavikula) und Oberarm (Humerus). Ein ausgeklügelter Muskelapparat, der fachsprachlich ‚Rotatorenmanschette‘ genannt wird, stellt die Verbindung zwischen dem Schulterblatt und dem Oberarm her. Die Rotatorenmanschette setzt sich aus vier Muskeln zusammen, deren Sehnen die Armbewegungen ermöglichen. Die Muskeln tragen die Bezeichnungen M. infraspinatus, M. supraspinatus, M. subscapularis und M. teres minor. Bei der Ausführung von bestimmten Armbewegungen, speziell beim Anheben des Arms, wird der Oberarmkopf durch die Zugkraft der Sehnen eng in die Schultergelenkpfanne (Glenoid) eingebracht.

Schulterschmerzen München

Schmerzen in der Schulter bilden eine der häufigsten Gelenkbeschwerden. Der Bewegungsapparat der Schulter besteht aus vielen Sehnen, Bändern, Muskeln, Knochen und Schleimbeuteln, die auf engstem Raum untergebracht sind und zusammenwirken. Eine Störung in diesem Zusammenspiel und die damit verbundenen Schmerzen können verschiedene Ursachen haben. In einigen Fällen lässt sich der Grund der Beschwerden nicht genau ermitteln. Schulterschmerzen entstehen zumeist unterhalb des Schulterdaches (med. Acromion). So wird der Knochen bezeichnet, der von außen ertastet werden kann. Durch einen Engpass zwischen Schulterdach und den für die Bewegung zuständigen Bändern, Muskeln und Sehnen, kann es zu einem Impingement-Syndrom kommen. Zudem können Schulterschmerzen beispielsweise durch Arthrose, eine Schultersteife oder eine akute unfallbedingte Verletzung hervorgerufen werden. Im Folgenden geht es ausschließlich um die Schmerzen, die sich direkt unter dem Schulterdach lokalisieren lassen. Es gibt keinen allgemein gültigen Krankheitsverlauf für Schmerzen unter dem Schulterdach. In manchen Fällen klingen sie innerhalb von 6 Monaten wieder ab, zuweilen dauern sie länger an. Um die Beschwerden zu reduzieren, sollte die Schulter geschont werden, indem belastende Armbewegungen vermieden werden. Akuter Schulterschmerz kann mit kühlenden Maßnahmen und der Gabe von entzündungshemmenden Schmerzmitteln gelindert werden. Bei starken Schmerzen kann eine Injektionstherapie mit Kortison zur Erlangung der Beschwerdefreiheit beitragen. Schmerzen unter dem Schulterdach manifestieren sich im äußeren Bereich der Schulter. Sie treten vor allem auf, wenn der Arm seitlich angehoben wird. Oftmals kommt es nachts zu einer Zunahme der Schmerzen. Die Schmerzbildung kann so stark und plötzlich eintreten, dass der Patient davon aufwacht. Der Bewegungsapparat der Schulter kann durch krankengymnastische Übungen werden. In der Regel schlagen diese Methoden der konservativen Therapie besser an als ein operativer Eingriff.

Der zwischen Schulterdach und Bewegungsapparat verfügbare Raum ist an sich schon sehr begrenzt. Durch Verschleiß, Knochenwucherungen oder Kalkablagerungen in der Sehne des Obergrätenmuskels kann es zu einem Engpass kommen (siehe Grafik). Ebenso kann ein entzündeter Schleimbeutel oder eine Anomalie am Schulterdach, bei der der Knochenfortsatz des Schulterblatts hakenförmig nach unten gekrümmt ist, zu einer Verengung unter dem Schulterdach führen. Auch Verkürzungen der Sehnen und Bänder der Gelenkkapsel, die durch eine schwache oder einseitig belastete Muskulatur entstehen, können Beschwerden in der Schulter verursachen.

Die genannten Veränderungen am Bewegungsapparat der Schulter können starke Beschwerden auslösen. Durch das Anheben des Arms können Schultersehne oder Schleimbeutel zwischen Oberarmkopf und Schulterdach eingeklemmt werden. Dabei steht kein direkter Zusammenhang zwischen den Veränderungen und den Schulterschmerzen. In bildgebenden Verfahren identifizierte Auffälligkeiten wie beispielsweise Kalkablagerungen, Verschleißerscheinungen, Risse an der Rotatorenmanschette oder Veränderungen an der Gelenklippe führen nicht unweigerlich zu Schmerzen bei den Patienten. Fast genauso vielfältig wie die Ursachen der Schmerzen unter dem Schulterdach sind die Begrifflichkeiten, die bei der Diagnose verwendet werden. Neben dem Schulter-Impingement-Syndrom oder auch Schulter-Engpass-Syndrom werden die Kalkschulter und das Rotatoren-Manschetten-Syndrom genannt. Mittlerweile werden diese Begrifflichkeiten unter der Bezeichnung ‚subacromiales Schmerzsyndrom‘ zusammengefasst, das allgemein verständlich als ‚Schmerzen unter dem Schulterdach‘ bezeichnet wird. Umstritten bleibt, welche Bedeutung Einklemmungen bei der Entstehung von Schulterschmerzen tatsächlich haben.

Schulterschmerzen können oftmals auf eine berufliche Tätigkeit, bei der viel über Kopf gearbeitet wird, zurückgeführt werden. Einige Berufsgruppen wie beispielsweise Elektriker, Maler, Lagerarbeiter und Regalauffüller sind besonders betroffen. Auch wird das Risiko einer Schultererkrankung durch einige Sportarten begünstigt. Dabei sind Ballsportarten wie Basketball und Tennis und die Wurfsportarten der Leichtathletik zu nennen. Zudem kann es bei intensivem Schwimmtraining beim Kraulen oder Delphinschwimmen zu Schulterbeschwerden kommen. Generell kann eine schwache Ausprägung der Schultermuskulatur Beschwerden verursachen. Die Beweglichkeit des Schultergelenks wird durch das Zusammenspiel der Bänder, Sehnen und Muskeln bewirkt. Eine Schwächung der Muskulatur führt zu einer Instabilität, bei der sich der Oberarmkopf nicht mehr richtig in der Gelenkpfanne bewegt und auf die umliegenden Weichteile drücken kann.

Die Diagnose beginnt mit einer Anamnese durch den Mediziner. Bei der anschließenden körperlichen Untersuchung wird die Bewegungsfähigkeit der Schulter getestet. Arm und Ellenbogen werden von dem Spezialisten in unterschiedlichen Positionen nach oben, innen und außen geführt. Verbunden mit einer Tastuntersuchung lässt sich eine Diagnose stellen und andere Ursachen wie beispielsweise in die Schulter ausstrahlende Nackenschmerzen oder eine Schultersteife (adhäsive Kapsulitis) ausschließen. In manchen Fällen werden zur Bestätigung der Diagnose bildgebende Verfahren herangezogen. Im Ultraschallverfahren können Risse der Rotatorenmanschette sichtbar gemacht werden. Röntgenbilder zeigen Veränderungen am Knochen wie Arthrose und Kalkablagerungen. Anhand der MRT-Aufnahme können Schädigungen an den Weichteilen identifiziert werden. Da kein eindeutiger Zusammenhang zwischen den sichtbaren Veränderungen am Bewegungsapparat der Schulter und den Beschwerden besteht, wird bei der Untersuchung oftmals zunächst auf den Einsatz von bildgebenden Mitteln verzichtet. Wenn konventionelle Behandlungsmethoden nicht greifen, ein operativer Eingriff in Erwägung gezogen wird oder eine andere Ursache ausgeschlossen werden soll, kann der Einsatz eines bildgebenden Verfahrens sinnvoll sein.

Auf die Operation im Schulterbereich folgt mitunter eine langwierige Rehabilitation. Die ambulante Physiotherapie umfasst voraussichtlich einen Zeitraum von 2 bis 3 Monaten. Die vollständige Wiedererlangung der Schulterbeweglichkeit wird mitunter erst nach 6 Monaten erzielt. Alle Rehabilitationsmaßnahmen werden dem Heilungsprozess angepasst. Auf der einen Seite ist es notwendig, das Schultergelenk schnellstmöglich zu mobilisieren, auf der anderen Seite muss die fragile Stabilität geschützt werden.

Daher wird die Schulter im Anschluss an die Operation in einem Spezialverband gegebenenfalls mithilfe eines Lagerungskissens ruhiggestellt, damit die Nahtstelle geschützt wird. Schwellungen und Schmerzen können mit Elektrotherapie und Kälteanwendungen gelindert werden. Nach einem arthroskopischen Eingriff kann recht zügig mit den Rehabilitationsmaßnahmen begonnen werden. Zunächst werden Übungen zur passiven Bewegung ausgeführt. Daran schließen sich aktive Dehnungs- und Kräftigungsübungen an. Nach der Operation im offenen Verfahren muss zunächst die Wundheilung abgewartet werden. In der Regel wird zwei Wochen nach dem Eingriff die Beweglichkeit der Schulter passiv eingeübt.

Etwa vier bis sechs Wochen nach dem Eingriff werden aktive Übungselemente in das Reha-Programm aufgenommen. Dabei lassen isometrische Übungen die Muskulatur arbeiten, ohne dass es zu einer Belastung der Nahtstellen kommt. Nach weiteren 6 Wochen wird mit den Übungen zur Kräftigung von Schultergürtelmuskulatur und Rotatorenmanschette begonnen. Die Übungen helfen bei der Zentrierung des Oberarmkopfes in der Gelenkpfanne. Die einwandfreie Position des Oberarmkopfes im Gelenk stellt sicher, dass es zu keiner Reibung bei der Bewegung kommen kann. Ziel ist, dass sich die Sehnen der Rotatorenmanschette frei unter dem Schulterdach (Acromion) bewegen können.